Kloß, Kließ oder Kniedla: Kartoffelklöße sind Kult

Kloß, Kließ oder Kniedla – es gibt die unterschiedlichsten Begriffe für ein und dieselbe Beilage in Franken, Thüringen und Bayern: der gekochte Kartoffelkloß.

Doch nicht nur die Namen variieren: die Regionen haben oft auf wenige Kilometer grundlegende Änderungen in ihren Rezepten. Und diese Vielfalt für die nächste Generation zu erhalten, dafür braucht es Leidenschaft, Neugierde und Mut! Denn schließlich geht es ja nicht um einen neuen, modernen Foodtrend aus der Veggie-Ecke: Weitgereiste Samen aus Südamerika, Algenpulver aus Asien oder der vegane Fleischersatz.  Es geht um ein Kulturgut, das immer weniger in der eigenen Küche gekocht wird.

Dabei war bei den meisten fränkischen Jugendlichen der erste feste Bissen der berühmte „Kloß mit Soß“. Warum nur haben sie das vergessen? Die Geschmacksnerven müssten doch eigentlich in unlöschbarer Erinnerung sofort JAAAA rufen, wenn man davon spricht? Ist es nicht hipp genug? Oder ist es das Fleisch, das der Soße den guten Geschmack gibt? Möchte man wirklich mit dem Fleischverzicht auch den legendären Kloss aufs Abstellgleis fahren?

NEIN – das zumindest sagen sich die Slow Food Vereinigung in Franken, das Museumspädagogisches Zentrum Kulmbach und Buchautorin Kerstin Rentsch. Drei Partner, die einen Kochkurs initiiert haben, der schon beim ersten Anlauf restlos ausgebucht war. Es war nicht nur ein sehr lehrreicher Abend, sondern sehr sehr  unterhaltsam …

 

Rezept für Thüringer Klöße, das Original

Zutaten:

  • Pro Person 3 große Kartoffeln
  • davon 2/3 gerieben und 1/3 gekocht
  • Salz
  • Kartoffelstärke
  • Kloßweiß
  • Weißbrot
  • Butter
Die Kartoffeln schälen, zwei Drittel davon kochen, den Rest fein reiben.
Das Weißbrot klein würfeln und in Butter goldbraun rösten.
Die fertig gekochten Kartoffeln mit einer Presse fein zerkleinern und mit dem Kartoffelwasser zu einem Brei verarbeiten.
Die rohen, geriebenen Kartoffeln im Leinentuch gut ausdrücken, die gelöste Kartoffelstärke auffangen.
Aus der Semmel Würfel schneiden und in Butter goldbraun rösten.
Den Brei wieder auf die Herdplatte stellen und nochmal aufkochen. Dabei immer rühren. Vorsicht: die Masse ist sehr heiß!
Noch kochend über die geriebenen rohen Kartoffeln geben und sofort kräftig durchschlagen.  Die aufgefangene Kartoffelstärke zugeben. Sollte es etwas flüssig sein, kann man noch Stärkemehl dazu geben. Mit Salz abschmecken.
Mit den Händen einen Kloß formen, in die Mitte ein Loch und die Semmelbrösel hineindrücken.
Die Klöße werden in einen großen Topf mit kochendem Salzwasser gelegt. Die Temperatur zurücknehmen und 20 Minuten ziehen lassen. Ab und an mal umrühren, dass die Klöße nicht am Boden kleben bleiben. Schwimmen sie oben, sind sie gar.

Dieses Rezept stammt aus der Gegend um Teuschnitz im Frankenwald.

 

Kloß oder Kartoffelkloß ist ein sehr altes Rezept in Franken und Thüringen

Die geschälten Kartoffeln werden in Salzwasser gekocht.

Gekochte Kartoffeln im sog. Stampfer, eine Kartoffelpresse gequetscht, bilden den zweiten Teil des Kloßteiges. Die richtige Mischung macht’s.

Typisch fränkisch sind die Bröckerla. Kleine Weißbrotwürfelchen werden in Butter angebraten und im Kloß versteckt. Auch hier im Kochkurs gab es einige Teilnehmer, die gleich mal naschen wollten. Wie zuhause – Bröckerla sind begehrt!

Die rohen Kartoffeln werden gerieben – das braucht Ausdauer und die richtige Reibe!

Kartoffelteig herstellen.

In einem Leinensäckchen wird die frische Kartoffelmasse ausgedrückt. Aber Vorsicht: das Wasser wird noch gebraucht.

Der Quirl aus Holz stammt vom letzten Christbaum. Glauben Sie nicht? Hier In der Region wird nach Weihnachten aus dem Stamm ein Stück gesägt und die Äste zusammen gebunden. Im Sommer, nach einer langen Trocknungsphase wird die Rinde entfernt, die Äste gekürzt und siehe da: das neue Haushaltsgerät ist fertig. Toll oder?

Kartoffelkloß kochen

Buchautorin und Kochlehrerin Kerstin Rentsch erklärt geduldig die nächsten Schritte zum Thüringer Kloß.

 

 

Im Museumspädagogischen Zentrum werden laufend neue Kochkurse und Veranstaltungen angeboten. Das Programm dazu findet man auf der Website. 

 

Guten Appetit!

 

Latest comments
  • Liebe Sabine,
    danke für die wunderschönen Fotos!
    Es war ein unterhaltsamer und lehrreicher Abend.
    Grüße von Slow Food Oberfranken

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