Glander-Blogparade: Kichererbsen in Schokolade

So eine Blogparade ist ja so eine Sache: man sitzt gemütlich auf der Couch, ein schönes Glas Grauburgunder in der Hand und stolpert über einen Facebook-Post von Stevan Paul. Es liest sich aufgeregt, erfreut – endlich sei die lang geplante Blogparade eröffnet. Sein Verlag habe auf einer Website 40 Gerichte aus seinem aktuellen Buch „DER GROSSE GLANDER“ filetiert, kurz anmoderiert und fordere jetzt die Foodies auf, sich doch um die Rezepte zu kümmern. Suchen, finden – kochen. Und natürlich essen – so will es der Autor. Begleitend dazu möchte man, dass die Leser „da draußen“ mitfiebern – und vor allem mitkochen dürfen. Also sollte es doch bitte auch verbloggt werden.

Aber gerne doch, dachte ich. Und wählte ohne zu zögern das Gericht, dass mich schon beim ersten Lesen  des Romans fesselte: Kichererbsen in warmer Zartbitterschokolade. Schon im letzten Jahr hatte ich dazu gebloggt. In der Blogparade war es das Rezept Nr. 29.

 

 

Das Briefing des Autors  – ein Auszug aus dem Roman „Der große Glander“ heißt wie folgt:

… Gianfranco kam zurück: „Attentione, liebe Leute, hier kommt der Nachtisch, den stell ich in die Mitte, dann könnt ihr alle euch selber nehmen!“ Silke Möninghaus‘ Augen weiteten sich im Moment der Erkenntnis: „Das sind ja … “ „Kichererbsen! Genau. In dunkler SChokoladensauce, gewürzt mit etwas Orangenschale, Zitrone und frischen Lorbeerlättern, eine Spezialität aus dem Cilento. Probiert unbedingt dazu die süßen Feigen, sie sind in Süßwein gekocht, originale Cilentano!“  …

 

Mit dieser Kurzbeschreibung sollte es doch möglich sein, das Dessert zum Leben zu erwecken!

Die ersten Schritte waren klar:   Mr. Allwissend Google würde mir eine Vielzahl von Gerichten vorschlagen, die zu diesem Thema passen! Immerhin weiß ich ja drei wichtige  Zutaten und ich hab ein Bild, das ich auf Stevans Blog gefunden habe! Komisch nur, dass es ziemlich lange dauerte, bis die Suchmaschine vorwärts kam. Keine Kichererbsen-Kombi mit Schokolade? Kein Treffer bei der Region CILENTO? Was mach ich denn jetzt?

 

Ein Selbstversuch? Kann doch nicht so schwer sein oder?

 

Kichererbsen Schokolade aus Cilento Blogparade   

Kichererbsen Schokolade Cilento Blogparade

Im ersten Schritt versuchte ich die eingeweichten Kichererbsen zu rösten. Es schien mir plausibel, dass die weiche und warme Schokolade auf knackige Kichererbsen stoßen sollten.

Dazu habe ich zwei Varianten gemacht:

Oben die pure Form, Kichererbsen nur mit einem Lorbeerblatt bei 180 Grad im Backofen 10 Minuten geröstet. Ergebnis: Langeweile in Optik und an Gaumen.

Unten: Diese Kichererbsen sind mit Chiliöl, Kreuzkümmel und Rosenpaprika geröstet. Ein toller Snack anstatt Paprika-Chips oder anderem gekauften Salzgebäck! Meine Testesser waren echt begeistert von dieser Variante – allerdings war sie für die Kombination mit dunkler Schokolade eindeutig zu scharf.

Eine lehrreiche Aktion – aber kein Schritt weiter in Sachen Blogparade. Was also tun? Da brachte mich ein Like auf meiner Insta-Seite auf eine neue Idee: Die Tourismusregion Cilento bemerkte mein Foto des Erstversuches. Warum nicht gleich in der Region selbst um das Rezept bitten? Na klar – die Italiener sollten ja schließlich wissen, welch schöne Rezeptur dahinter steht. Gedacht, getan – ich hab an das Tourismusbüro im Cilento angeschrieben. Und keine 10 Minuten später schon eine Antwort erhalten. Man wollte sich umhören, befragen und sich wieder melden. KLASSE! Meine Freude war riesig!

 

Kichererbsen – so lustig sind die kleinen Dinger gar nicht

Der Name hat natürlich nichts mit Kichern zu tun. Er leitet sich vom lateinischen Wort „cicer“ ab, die Erbse. Genaugenommen handelt es sich also um Erbse-Erbsen. Und das ist ja dann doch wieder zum Kichern. Angebaut in Kleinasien, Indien und – wie hier im Cilento – im Mittelmeerraum gibt es die verschiedensten Rezepturen dafür. Die Schmetterlingsblütler gehören zu den Hülsenfrüchten, sind aber mit unserer „Erbse“ nicht verwandt. Die Kichererbse, die wir essen, ist der Samen der Pflanze. Hellbraun oder beige, manchmal aber auch rot, braun oder schwarz. Alle Sorten schmecken leicht nussig und sind mehlig kochend. Das schöne an der Frucht: sie behält auch im gegarten Zustand ihre Form.

 

Jetzt wird es aber Zeit …

Doch der Blogparadenschluss rückte immer näher, die Nachricht aus Italien stand noch aus und so machte ich mich selbst auf den Weg. Oder besser “ an den Herd“ und suchte dunkle, edle Schokolade, frische Orangen, Zitronen und natürlich Kichererbsen. Das Lorbeerblatt gabs leider nur getrocknet – ein Zugeständnis an meine bayerische Heimat.

 

Kitchen Impossible – oder besser „Grill den Paul“ …

… denn es gab kaum mehr Information als im Buch vom Großen Glander gefunden. Stevan selbst war vor Jahren schon im Foodcamp im Cilento und durfte diese Köstlichkeit kennenlernen. In seinem Blog schwärmt er davon, verrät aber auch hier keine weiteren Details. Deshalb bleibt mein Rezept auch nur der Versuch, die Aromen wie folgt zu spielen:

 

Rezeptur – Frei improvisiert nach dem Text im Roman „Der große Glander“

  • 300 g Kuvertüre Edelschokolade (59 % Kakao)
  • 150 g Kichererbsen getrocknet
  • 1 Bio – Orange, 1 Bio – Zitrone
  • 5 getrocknete Lorbeerblätter
  • 125 g Sahne
  • etwas Honig und etwas Vanillezucker
  • frische Feigen

Die Kichererbssen werden schon 24 Stunden vorher in Wasser eingelegt. Aus den kleinen, sehr harten Samen werden so sehr aromatische kleine Früchte mit nussigem Geschmack. Doch sie müssen nach dem Absieben weitere 30 Minuten in Salzwasser gekocht werden. Ich persönlich mag es, wenn sie noch einen leichten Biss haben. Anders als die Fertigprodukte in Dosen bleibt so auch beim Essen ein schöneres Mundgefühl.

Zur Vorbereitung der Soße habe ich Sahne, etwas Honig, Vanillezucker langsam erwärmt. Nach und nach gebe ich die dunkle Schokolade zu, die Orangenstreifen und einen Schuß Zitrone. Unter langsamem Rühren lasse ich es aufkochen und gebe die Kichererbsen zu.

 

    

Zum Schmelzen der Schokolade habe ich einen Simmertopf verwendet. Ein Küchengerät, das bei uns sehr oft in Gebrauch ist: warmer Milchreis, Griesrezepte, Dessertcremes oder die Schokolade für die Weihnachtsbäckerei. Er ersetzt das aufwändige Wasserbad und erhitzt Speisen ohne Gerinnen oder Anbrennen.

 

 

Im Buch findet man an zweiter Stelle einen weiteren Hinweis:

Die Kichererbsen schmeckten himmlisch, sie zergingen nussig in der geschmolzenen, bitteren Schokolade, das Lorbeerblatt und die fein abgeriebnenen Zitrusfrüchte hatten darin eine ungekannt süchtig machende Würze entwickelt. Die frischen, weich geschmorten Feigen im herbsüßen Sud passten perfekt dazu und das Vanilleeis verschmolz auf den Tellern cremig zur Ménage-à-trois auf italienisch.

 

Eine wunderbare Idee – wir haben es auch mit Vanilleeis gegessen. Die Feigen allerdings nicht im Sud gekocht – dazu fehlte uns leider der italienische Süßwein. Aber die Sonne war zurückgekommen. Wir konnten tatsächlich unser kleines italienisches Experiment draußen genießen!

Es hat sehr viel Spaß gemacht, hier in der Blogparade von Stevan und dem Mairisch-Verlag dabei zu sein! Alle Gerichte und Blogbeiträge findet ihr hier gesammelt – viel Spaß beim Schmökern!

 

Das Gericht, dass ich mir ausgesucht hatte, war für meine Kocherfahrung ziemlich anspruchsvoll, der Umgang mit Schokolade schon eine Herausforderung. Kichererbsen verarbeiten wir normalerweise zu Hummus – also auch hier war es Neuland für uns!

Umso mehr freue ich mich, mal tatsächlich im Cilento zu Besuch zu sein und dann ganz sicher diese Nachspeise zu bestellen!

Viele Grüße in die Parade! Vielen Dank Stevan!

Sabine

 

#glanderblogparade

 

 

 

 

 

 

 

 

Latest comments
  • Liebe Sabine,

    das ist eine super Umsetzung! Die Idee fand ich auch klasse. Hat echt Spaß gemacht.

    Liebe Grüße, Bettina

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